Schaf Blog

vom Alltag eines Moorschnucken Schafhalters

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  • Archiv: Juli 2008

    erster Umtrieb

    Unser erster Umtrieb zu Fuß war routiniert und irgendwie “unspektakulär”. Gestern noch habe ich die Moorschnucken “probeweiße” aus der Koppel geholt um mit ihnen zu einer umgestürzten Weide in der Nähe zu laufen. Die Schafe fressen die Blätter sehr gerne. Das ganze verlief ruhig und gesittet ab und ich machte mir daher für heute morgen weniger Sorgen.

    In aller Herrgottsfrühe kurz nach 5 Uhr stand Anika und die kleine Pepper dann pünktlich vor der Tür und los ging es. Anfangs kam den Mädels der kleine rote Hund etwas verdächtig vor, aber Pepper meisterte das ganz toll. Wenn die Anika nur nicht ständig “lie down”, “lie down” rufen würde! :D

    Pepper und Erin ergänzten sich wunderbar, obwohl sie noch nie zuvor zusammen gearbeitet hatten. Die beiden hatten die Situation wirklich immer im Griff. Erin machte ihren Job als “Bremse” vorn sehr gut. Hin und wieder bewies sie den Schnucken durch bloßes Stehenbleiben aber “das die nicht denken sollen, sie laufe etwa weg”. :)

    Zwar ist um diese frühe Zeit kaum jemand unterwegs, trotzdem stiesen wir auf einen netten Radfahrer, der viel Zeit hatte und auf der kurzen Strecke, die wir auf der Straße zurücklegten ruhig und langsam hinter uns her fuhr. Die beiden Autofahrer die uns begegneten waren zwar um einiges schneller unterwegs, aber Pepper hatte die Moorschnucken rechtzeitig auf dem Grünstreifen “geparkt”.

    Mein letztes “Bauchwehobjekt” die Straßenunterführung passierten die Moorschnucken mit flinken Klauen um sich dann sogleich dem frischen Aufwuchs der Heuwiesen zu widmen. Dieser Teil der Strecke war bei weitem der schönste. Aufsteigender Nebel, erste warme Sonnenstrahlen, Rehe und Störche begleiteten uns auf den letzten Metern bis zur neuen Weide.

    Vielen Dank an Anika und ihre kleine Pepper! :)

    was eine Woche!

    Montag war nochmal die Klauenpflege des “Problemtrupps” dran. Probleme haben die alle keine mehr. Die Klauen sehen wieder gut aus. Deshalb durften sie nach dem Bad und Abtrocknung im Unterstand auch wieder zum Rest der Herde.

    Mittwoch dann war auch der Rest der Moorschnucken mit Klauenpflege dran. Außerdem wollte ich bei jedem einzelnen Schaf die Impfstelle begutachten. Einige haben ja nun doch Erhebungen an dieser Stelle. Die meisten haben die Bluevac8 Impfung jedoch Nebenwirkungsfrei überstanden.

    Freitag dann war meine “Umtriebshilfe” da um dem Haupthund am Sonntag schon einmal seine Arbeit vorzustellen. Außerdem sind wir die Strecke abgefahren um nochmal genau abzuschätzen wie wir am günstigsten laufen und wo Ruhe- und evtl. Ausweichstellen sind und wo “Schwachstellen” sein könnten, die erhöhte Arbeit von uns und den Hunden erfordern.

    Gestern dann war wieder mal Junghundetraining angesagt. Ich hatte etwas Konzentrationsprobleme und so trainierte ich Jane hauptsächlich am Netz. Gegen Ende holte ich einfach mal fünf nettere Schafe raus und sie handelte auch diese ganz gut.

    Heute konnte ich dann endlich das Klauenbad wieder abbauen und alles verstauen. Die nächsten Klauenbäder wird es wohl hoffentlich prophylaktisch erst wieder im Herbst geben.

    Die meisten Lämmer habe ich bis jetzt nicht gekennzeichnet. Für die Kühltruhe ist das auch nicht erforderlich. Nun soll das ein oder andere Böckchen doch einen neuen Wirkungskreis bekommen und ich mußte die kleinen Kerle ihren Müttern zuordnen. Das ist einfacher gesagt als getan. Letztendlich habe ich die Lämmer markiert und aus dem Pferch gelassen. Das Schaf welches am lautesten antwortete, war die Mutter. Nach solch kurzer Trennung waren die meisten der Lämmer so nett und bewiesen dies auch, indem sie prompt saugten. Das sieht durchaus lustig aus, haben doch einige der Böcke ihre Mütter bereits an Körperhöhe übertroffen!

    Erin mußte ich danach nicht mehr trainieren. Sie hat heute gute Arbeit geleistet beim weg- bzw. zuhalten einzelner Schafe bzw. hat mir sämtliche Ausbruchversuche aus dem nur provisorisch verstellten Unterstand vereidelt.
    Für Jane habe ich wieder fünf nette Schafe ausgesucht, die sie wieder hervorragend handelte.  Leider haben die aussortierten Schafe einen extremen Zug zum Rest der Herde. Jane weiß diese Zugrichtugen der Schafe sehr gut einzuschätzen und covert diese hervorragend. Der kleine Pimpf zeigte heute Verhaltensweisen, die ich mit Erin lange und intensiv trainieren mußte und immer wieder trainieren muß. Atemberaubende Querflanken durfte ich heute sehen und sie weiß irgendwie viel früher als ich wann man loslaufen muß um die Schafe in Bewegung zu halten und wann es besser ist den Druck wegzunehmen und sich hinzulegen.
    Gegen Ende des Trainings bremste sie den Trupp, der sich dann doch einmal versuchte Richtung Herde abzusetzen gekonnt aus und nahm mein “get up” ohne zu zögern. Sie drehte die Schafe und schob sie mir sanft wieder vor die Füße. Damit beendete ich die Trainingseinheit auch, hatte dieser kleine Hund mir in diesem Moment doch bewiesen, das in ihr mehr Wille steckt als ich ihr zugetraut hatte. :D

    Eigenkonstruktionen in der Praxis

    Wenn man nicht viel Geld ausgeben kann oder will, bastelt man. Ich habe mir z.B. Horden gebaut. Schön aus Holz aus dem Baumarkt und gestrichen mit weißem Fensterlack. Ösen an die Seiten, fertig und schick. In der Praxis haben sie sich was Stabilität und Witterungsbeständigkeit angeht, bestens bewährt. Bis auf die Ösen! Bei den letzten Klauenbadaktionen, lösten sich die Horden immer wieder um wahlweise umzufallen oder hin- und her zu wackeln wie ein Kuhschwanz. Also habe ich die Haken gegen geschlossene Ösen eingetauscht. Ob die jetzt so funktionieren, wie ich mir erhoffe wird das nächste Klauenbad diese Woche zeigen.

    À propos Klauenbäder. Diese Woche war für die “Klauentruppe” das letzte Klauenbad. Die sehen nämlich wieder top aus. Gut nachgewachsen, sehr hart. So wie ich es von meinen Schnucken normalerweise gewohnt bin.
    Bei der Nachkontrolle der Schafe mußte ich allerdings feststellen, das die ein oder andere Nebenwirkungen der Blauzungenimpfung hat. An der Impfstelle ist bei einigen eine Schwellung zu fühlen. Bei, zum Glück nur einem Schaf, hat sich die Stelle entzündet.

    von Weidewechseln und Trainingsfortschritten

    Heute habe ich die letzten Portionsweide auf der Koppel gesteckt. In zwei Wochen werde ich wohl oder übel, das erste mal zu Fuß umtreiben müssen. Einmal außen rum um den Ort, ein Stück durchs Dorf, kurz auf die Landstraße und dann noch unter einer Straßenüberführung durch. Wir werden mit zwei Hunden umtreiben, ganz früh am Sonntag morgen. So bleibt Zeit alle Eventualitäten einzuplanen und es ist vor allem eines: ruhig und Auto frei. So jedenfalls der Plan :) Dazu später mehr, wenn es soweit ist.

    Außer dem umstecken der Netze war heute wieder mal Grundlagentraining für die Kleine dran. Hin und wieder mußte ich sie heute ausbremsen. An zwei Stellen gleichzeitig, hinter den Schafen schiebend und vorne bei mir die Schafe aufhaltend, geht nämlich nicht und diese Flankiererei macht die Schafe ganz kirre. Sie hats aber schnell verstanden und wir konnten uns dann dem nachtreiben und flankieren nach “meinen Wünschen” widmen. :)
    Zum Schluß legte ich Erin in Position und lies Jane von der anderen Seite die Schafe vom Zaun wegdrücken. Mit Erin zusammen geht das irgendwie leichter und mit diesem positiven Abschluß war unsere kleine Trainingseinheit auch schon beendet.

    Die Hunde aus dem Netz lassen und den Brotbeutel holen. Ich klettere übers Netz zurück in die Koppel und wundere mich, das die Schafe nicht ankommen, sondern vor mir weglaufen! Da bemerke ich hinter mir, Klein-Jane. Das erste Mal ist sie übers Netz gehüpft und Feierabend machen will sie auch nicht. Die Schafe stehen mittlerweile im Eck des Netzes. Als Jane bemerkt, das ich sie entdeckt habe, flankiert sie sauber raus. Keine Ahnung, was mich geritten hat. Aber ich warte ab, was sie nun macht. Bisher war es für sie okay, wenn die Schafe im Eck stehen, kontrollierbar bleiben. Diesmal aber, will sie mir die Mädels unbedingt zutreiben. Also läuft sie am Netz entlang direkt auf die Schafe zu und die bewegen sich tatsächlich aus dem Eck raus auf mich zu! Das erste mal ganz ohne Hilfe von mir oder Erin, ohne Motivation von mir, ganz ohne mein Zutun oder Worte! Ich bin so stolz auf die kleine Fledermaus!
    In diesem Moment fielen mir die Worte einer Handlerin und Border Collie Züchterin ein: “einen talentierten Border Collie zu trainieren ist nur Freude…”! Genau das ist es! :D

    Herdbuchaufnahme

    3. Juli 2008
    16:30bis17:30

    Heute war es soweit.
    Ein Teil der Moorschnucken wurde heute besichtigt, bewertet und für gut befunden. Eine guter Grundstock auf dem ich meine Zucht aufbauen kann, bescheinigte mir Herr Wulff vom Schafzuchtverband. *stolz bin* :

    Im Herbst kommt er noch einmal, um den Rest der Truppe zu begutachten und zu bewerten. Bis dahin wird evtl. noch die ein oder andere Dame dazu kommen bzw. unsere kleine Gruppe verlassen.

    Auf jeden Fall werden wir nun im Schafzuchtkalender 2009 als Pfälzer Moorschnuckenzüchter geführt. :D

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