Vorgestern bei der Kontrolle, stand Eckhard mit gekrümmtem Rücken da. Bei längerer Beobachtung sah ich dann, das er bei allen Schafen nach dem Euter suchte. Schlußendlich tapperte er zu seiner Mutter, die ungewöhnlich gleichgültig davon ging. Als ich die Mutter dann aufsetzte, bestätigte sich mein Verdacht. Das Euter fast komplett zurückgebildet und trocken.
Nun ist Eckhard also ein (Sorgen-)Flaschenlämmchen. Die vorsorglich in Mayen gekauften Sauger kamen nun erstmals zum Einsatz. Eckhard hält sich dennoch tapfer bei den Ladys. Auch wenn sich leider nun gar keine für ihn zuständig fühlt, läuft er tapfer mit seiner Mama mit. Die ersten Mahlzeiten hat er soweit gut vertragen. Nun muß er nur noch lernen, das unsere Prozedur mehrmals täglich nicht heißt “fangen-trinken-rennen” sondern “kommen-trinken-rennen”

Gestern ist Victor zu den Damen umgezogen. Nicht ohne vorher eine wunderschön klingelnde Glocke um den Hals zu bekommen. Denn hin und wieder drehe ich beim werkeln der Truppe doch den Rücken zu. Dann ist es beruhigend zu wissen, das nur eines meiner neugierigen Weiber angelaufen kommt um sich zu vergewissern, das ich tatsächlich kein Brot dabei habe, wenn das Glöckchen in weiter Ferne klingelt und hinter mir der Schatten eines Schafes auftaucht. 
Jedenfalls becirct Victor nun reichlich die achtzehn ihm anvertrauten Schönheiten. Noch sind Rotklee und anderes Grün wichtiger. Aber Victor wird nicht müde immer wieder seine Bereitschaft zu bekunden und hartnäckig “nachzufragen”. Wir harren der Dinge und wünschen uns viele großartige Lämmer im Frühjahr.

Nebenbei habe ich heute die restlichen Vorbereitungsarbeiten am Unterstand, für die kommende Lammsaison und die Grünfutter armen Winterwochen, abgeschlossen. Das kalte Wetter kann kommen.
| 11. Oktober 2008 | bis | 19. Oktober 2008 |
Vom 11.-19. Oktober findet in Mayen der alljährliche Lukasmarkt statt. Das größte Volksfest im nördlichen Rheinland-Pfalz.
Am 16. Oktober wurde der Schafmarkt beim Lukas-Markt veranstaltet. Verschiedenste Schafrassen von rheinland-pfälzischen Züchtern wurden ausgestellt, bewertet und prämiert. Wieder gab es sowohl die Elite der Fleischrassen zu sehen aber auch seltene Landschaftsrassen.


Ich traf alte Bekannte und Leute, die ich schon Ewigkeiten nicht gesehen hatte und nutzte die Gelegenheit für manch ausführlichen Blausch.
Dem ein oder anderen Profi konnte ich dort ebenfalls über die Schulter schauen und “dumme Fragen” stellen. Jedenfalls weiß ich u.a. nun, wie man aus einem einfachen Strick ein Schafshalfter knüpft
Die diversen Stände luden zum gucken und kaufen ein. Es war von der Lämmerflasche bis zu Euro-Netzen alles zu kaufen, was das Schafhalterherz so braucht, oder gerne hätte. Und so trat ich vollgepackt mit Kleinigkeiten, die mein Sortiment erweitern und mit vielen Eindrücken bestückt die Heimreise an.
| 11. Oktober 2008 | bis | 12. Oktober 2008 |
Am 11. und 12. Oktober waren wir bei Familie Steiner zum Hüteseminar mit Anita Hermes.
Die Tage begannen jeweils mit Frühnebel auf der Lichtung, die zum Training genutzt wurde. Ganz romantisch, weitab der Landstraße zwischen den Wäldern lag die Wiese. Später glänzten beide Tage mit fröhlichem Sonnenschein und warmem Herbstwetter. Ideales Trainingswetter. Die Waldschafgruppen reichten von spritzig “mit der panischen Frau Giraffenhals” bis gemütlich, schwergängig für die ungestümen Junghunde.
Für das leibliche Wohl wurde reichlich gesorgt. So durften wir uns die Bäuche reichlich mit Waldschaf füllen und Sonntags diverse Köstlichkeiten zum Kaffee, wie das Apfeltiramisu, geniesen.
Ich nahm am Seminar teil, weil ich das Gefühl hatte, Jane und ich hätten irgendwie “Verständigungsschwierigkeiten”. Klappte am Netz alles ruhig und kontrolliert, brach bei mir ohne diese Sicherheit zu oft Panik aus, was sich dann durchaus lautstark bei mir äußert.
Anita erklärte und zeigte mir auch, das Jane nicht zu den Hunden gehört, die man an den Schafen schimpfen sollte oder muß. Bestätigt man bei ihr stimmlich gute Ansätze ist der kleine Hund Feuer und Flamme. “Sie saugt Lob in sich auf” waren ihre Worte. Nach den zwei Tagen hatten wir wieder gute Ansätze herausgearbeitet und wir werden unsere Hausaufgaben fleißig bis zum nächsten Seminar erledigen.

beim click auf das Bild öffnet sich das Picasa Webalbum mit Bildern vom Seminar
Da meine Herdbuchzucht noch ganz am Anfang steht, sozusagen in den Kinderschuhen bin ich immer wieder darauf bedacht, Informationen einzuholen, mich auszutauschen, von erfahrenen Züchtern zu lernen.
Eine Fahrt zur “Quelle der Moorschnucke” in die Diepholzer Gegend war für mich daher ein Muss. Also machte ich mich gestern auf um mir die dortigen Moorschnucken anzuschauen und den Schäfer Löcher in den Bauch zu fragen.
Nach einigen Stunden Fahrt fielen die vielen schönen weißen Schnucken links und rechts der Straße ins Auge. Wir waren am Ziel! Die gezeigten Schafe beeindruckten mich dann sehr. Schneeweiß – auf nicht vorhandene Pigmentierung wird sehr, sehr viel Wert gelegt und selbst kleinste Lidstriche wurden mir als Magel gezeigt. Großen Eindruck machte auf mich auch der Jährlingsbock. Ein Prachttier und für sein junges Alter schon sehr stattlich und schön. Die Schafe waren alle sehr gut genährt, obwohl sie den Sommer über ja fast “nur” Heidekraut fressen.
Viele Fragen bekam ich beantwortet zur Bockauktion, zur Geschichte der “Diepholzer Moorschnucken” usw.
Nach einiger Zeit verliesen wir den Hof mit neuen Eindrücken ausgestattet. Eindrücke, die mich meinen eigenen Schafbestand aus einer anderen Perspektive betrachten und meine zukünftigen Zuchtziele resümieren liesen.
Damit ich dem einen Schritt näher komme, verliesen mit uns fünf weibliche Jährlinge und ein Jährlingsbock, der heute den schönen Namen “Victor” von mir erhielt, den Hof.


“Victor” wird im nächsten Frühjahr hoffentlich für frohwüchsige Lämmer auf den Queichwiesen sorgen.