Schaf Blog

vom Alltag eines Moorschnucken Schafhalters

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    nicht enden wollender Enthusiasmus

    Ganz zu anfangs sagte ich über diesen kleinen Hund einmal, sie würde lieber tot umfallen als aufhören zu arbeiten. Wie Recht ich doch damit hatte, denn Klein-Jane ist kaum zu bremsen!
    Aber von vorn. Die ganze Zeit sind wir sozusagen in Schleifen und Achten über die Wiese gelaufen. Janes Hang zum Druckpunkt ist ausgeprägt und so glich sie meine Abweichungen vorhersagbar wie ein Uhrwerk aus. Ihre Flanken unterlegte ich einfach nur mit den Kommandos.
    Nun gehen wir gerade einen Schritt weiter. Liegen bleiben bis das Kommando kommt, um wieder schnell zum Druckpunkt zu flitzen :) Jane hat das eigentlich schon ganz gut begriffen. Nur ab und an muß ich sie bremsen. Das ganze Training macht der kleinen Flitzpiepe nun soviel Spaß (schließlich bekommt man ja nicht mehr geschimpft :D ), das das “that´ll do” (also: das wars, wir hören jetzt auf, Feierabend) irgendwie für Jane nicht das gleich bedeutet, wie ich es meine.
    Die kleine Maus kommt zwar brav, da ich das Kommando ja auch nutze um sie zu rufen und wieder loszuschicken. Merkt sie aber, das wir nun tatsächlich aufhören wollen, macht sie auf dem Absatz kehrt und bringt “grad nochmal schnell” die Schafe. Dabei geht der Eifer so mit ihr durch, das sie ihre Flanken auf einmal bis zum Schluß läuft oder die Schafe “mal eben” aus einem Eck holt, obwohl sie zwischen den Schafen und dem Zaun kaum durchpasst. Schimpfen kann ich nicht, weil ihre Aktionen jedesmal grandios sind. Loben ist kontraproduktiv aber ich kann es mir nicht verkneifen.  :oops:

    Also bekommt die kleine Kackpratze ein “bist ein guuutes Mädchen” und ich trage sie wieder einmal von der Wiese  :roll:

    Erin durfte heute wieder einmal shetten und ich hab festgestellt, das haben wir schon lange nicht mehr gemacht. Uns fehlt die Übung. Nun wissen wir was zu trainieren ist. Den Outrun über meine kleine, ihr wohlbekannte, Wiese läuft sie zielsicher und perfekt. Beim Turn war sie dann übereifrig, dafür war der Rest bis zum einpferchen, wie an der Schnur gezogen. Wenn ich diese Übungen nicht übertreibe ist dieser Hund mit Begeisterung dabei. Ihre “Vorlaufzeit” für mein “lie down” Kommando weiß ich nun zu nehmen. Vorausplanung ist das Zauberwort. Einen punktgenau sich legenden Hund werde ich mit ihr wohl nie bekommen.
    Das sie ihr Handwerk allerdings versteht hat sie mir nun wieder am Dienstag gezeigt, als sie einem Rhönbock “erklärte” das man bei Junghunden zwar mal gucken und testen kann, aber bei Erin wird gelaufen. :D

    Arbeitseinsatz

    Jane hatte heute ihren ersten richtigen Arbeitseinsatz!
    Die Böckchen mußten umgetrieben werden. Sechs kleine Kerle, jeder für sich die Ruhe selbst, ganze 200m einen kleinen Feldweg bis zur nächsten Wiese. Nichts dramatisches und Sonntag abend haben wir alle Zeit der Welt und bleiben ganz sicher ohne Publikum.

    Gesagt, getan. Erin lief als “Notanker” dann aber doch mit. Wenn sie auch nicht eingreifen mußte. Ich war vor allem gespannt darauf, wie Jane sich zeigt wenn sie sehr eigenständig arbeiten darf und ihr der Platzmangel keine großen Flanken ermöglicht, wenn die Böckchen schneller werden. :)

    Auch bei Jane als Umtreibhund kann ich nur sagen “vollkommen unspektakulär”. Sie reguliert ihr Tempo und den Abstand zu den Schafen eigenständig und sehr gut. Das zwischen Weinbergen und Acker kein Platz für große Flanken war, störte sie keineswegs, als ich die Schafe an mir vorbei ziehen lies. Sie ist groß genug um durch schnelle, enge Flanken die Schafe dort hin zu dirigieren wo sie hin sollen: vor meine Füße :D
    Die letzten Meter nutzte ich dann noch um mit ihr wegzutreiben, Richtung Netz.


    Letztendlich nahm ich einen müden aber glücklichen, jungen Hund mit zum Auto, der trotzdem auf der alten Weide gucken mußte, ob wir auch wirklich kein Schaf vergessen haben :D

    Die 1,5km, die die Muttern umziehen mußten, trieb ich dann doch allein mit Erin um. Die Damen sind mir für Klein-Jane dann doch etwas zu kitzelig. Kaum war das Netz offen, überrannten mich die Ladys förmlich. Der Klee um die Weinberge und die Blätter der Reben ringsum hatten wohl doch Begehrlichkeiten geweckt. Die Damen waren flott unterwegs. Erin war anfangs, wie immer, schrecklich nervös was sich, wie so oft, in hochfrequentem Quietschen äußerte und in penetrantem Ungehorsam! :(
    Irgendwie merkte sie dann aber doch das alles halb so wild ist und wir zwei das sehr gut im Griff haben. Sie wurde merklich ruhiger, hörte das leise “lie down” dann auch wieder und ich gönnte uns allen eine kleine Rast auf einem verwildertem Renaturierungsstück. Die letzten Meter liefen die Mädels gemütlich, immer wieder den leckeren Klee zwischendurch rupfend, fast von alleine.


    Viel Zeit hatte ich nun nicht mehr, Netze abbauen und bei den Böckchen wieder aufbauen, Strom anschließen und prüfen. Kurz vor Dunkelheit war ich fertig und wir “drei Weiber” machten uns müde und hungrig auf den Heimweg.

    alles auf einmal

    Die ruhigen Schafhaltertage wurden wieder mal abgelöst.

    Angefangen hatte es damit, das Mändy sich zwischen der Klaue verletzt hatte. Die Klaue schwoll natürlich an. Nach zwei Tagen Behandlung sah das Ganze aber wieder gut aus. Sie humpelte nicht und die Schwellung ging zurück. Dennoch wollte ich sie am Freitag mit zwei anderen willkürlich ausgesuchten Schafen, lieber mit dem Auto zur neuen Weide transportieren. Nachdem ich sie gefangen hatte, sah ich die Bescherung. Oberhalb des Kronsaumes hatte sich eine Tasche gebildet, die bereits überreif aussah. Noch im Auto entfernte ich deren Inhalt und wusch die Wunde aus. Die ursprüngliche Verletzung zwischen den Klauen ist mittlerweile ausgeheilt. Ich hoffe, die Wundheilung setzt sich nun oberhalb des Kronsaumes ebenfalls fort.

    Samstag morgens um fünf klingelte dann der Wecker. Gegen 5.45 Uhr war es dann hell genug. Ich machte mich mit Erin auf die Socken. Die Rehe waren von mir “Störenfried” garnicht begeistert. Die Schafe dagegen schienen zu wissen, das es jetzt wieder auf eine frische Weide geht. Bereitwillig verliesen sie mit mir die Wiese.
    Erin dagegen schien von der Tatsache, das sie ganz allein hinter den Schafen ist und wir auf unbekanntem Gelände unterwegs, verunsichert zu sein, was sich in einem permanent hochfrequenten Quietschen äußerte. Sie trieb die Schafe zwar sauber nach und wählte entlang der Straße ihren Druckpunkt so genial, das wir - wie sich das für Fußgänger gehört - allesamt schön auf dem Fußweg unterwegs waren. Sie verweigerte das “lie down” fast vollständig und regulierte lieber selbstständig ihr Tempo. Ich finde, wir hatten trotzdem Glück, das die Schafe ihr den geringen Abstand nicht übel nahmen.
    Die Insassen des einzigen Autos das wir trafen, staunten nicht schlecht, denn wir hatten die Schafgruppe rechtzeitig auf einem Firmenparkplatz neben der Straße “geparkt”, bis der PKW vorbei war.
    Nach Überquerung des Kreisels, selbstverständlich auch im Fußgängerbereich :) waren wir dann auch schon im Industriegebiet angekommen. Ich ging nun mit Erin hinter den Schafen, da ich sicher war, das Sonntags um sechs Uhr morgens niemand zur Arbeit fahren wird. :D
    Erin beruhigte sich nun schnell wieder. Das Quietschen hörte auf. Mittlerweile kannte sie das Gelände, schließlich stehen die Schafe nun hinter unserem Firmengebäude und haben jetzt zwar nicht den tollsten Aufwuchs, freuen sich aber über Brombeeren und Hagebutten.

    Training und Umtriebe

    Die Trainingseinheiten der Hunde gehen nach wie vor.
    Zwei- bis dreimal pro Woche darf Klein-Jane an die Schafe. Kleine, flitzige Gruppen liegen ihr. Da blüht der kleine Pimpf auf. Also trainiere ich sie vorzugsweise an der ganzen Gruppe. Die sind etwas ruhiger und müssen mit mehr Druck bewegt werden. Dafür nehmen Sie Schnitzer beim flankieren nicht so übel. :)
    Mittlerweile stellen sich doch einige Unterschiede zu Erin heraus. Während Erin lieber aufhört zu arbeiten, als tot umzufallen, fällt Jane lieber tot um, als aufzuhören mit der Arbeit. Janes Paradedisziplin sind Gruppen von weniger als fünf Schafen. Ihre Reaktion und Feeling für diese hochkitzeligen Schafe ist unglaublich. An ihrem Selbstbewußtsein muß ich, im Gegensatz zu Erin, nichts trainieren. Meine Befürchtung, das dieser kleine Hund, meinen stehenden, stampfenden Schnucken nicht die Stirn bietet ist unbegründet. Schön als Gruppe und sich letztendlich doch in die gewünschte Richtung drehend, balanciert diese kleine Traumtänzerin die Schnucken über meine Wiese.

    Erins Training habe ich umgestellt. Ich malträtiere sie nicht mehr mit Trialsequenzen. Dieser Hund sieht keinen Sinn in Aufgaben ohne Hintergrund und kommt mit der Vielzahl an Kommandos in kurzer Zeit nicht recht klar. Also darf sie das tun, was sie am Besten kann. Tägliche, kleine Arbeiten und Hilfshund sein.
    Sie darf mir die Schafe zuhalten, wenn ich eines rausfangen muß. Sie ist unentbehrlich beim Umtreiben. Sie darf die Schafe vom Zaun oder aus den Ecken puhlen, sie treibt mir einzelne Tiere ins Ruheeck und sie darf ein Auge auf diejenigen haben, die sich als non Teamplayer outen, wenn Klein-Jane trainiert wird. Alles Arbeiten, die ohne viel Worte funktionieren und “Sinn” haben. Das macht ihr Freude, darin blüht dieser Hund auf und so werde ich es eben belassen.
    Dieses Wochenende werde ich den Trupp erstmals mit ihr allein umtreiben. Nur für eine kurze Strecke, dafür fast nur die Straße entlang. Wir werden sehen, ob es funktioniert.

    was eine Woche!

    Montag war nochmal die Klauenpflege des “Problemtrupps” dran. Probleme haben die alle keine mehr. Die Klauen sehen wieder gut aus. Deshalb durften sie nach dem Bad und Abtrocknung im Unterstand auch wieder zum Rest der Herde.

    Mittwoch dann war auch der Rest der Moorschnucken mit Klauenpflege dran. Außerdem wollte ich bei jedem einzelnen Schaf die Impfstelle begutachten. Einige haben ja nun doch Erhebungen an dieser Stelle. Die meisten haben die Bluevac8 Impfung jedoch Nebenwirkungsfrei überstanden.

    Freitag dann war meine “Umtriebshilfe” da um dem Haupthund am Sonntag schon einmal seine Arbeit vorzustellen. Außerdem sind wir die Strecke abgefahren um nochmal genau abzuschätzen wie wir am günstigsten laufen und wo Ruhe- und evtl. Ausweichstellen sind und wo “Schwachstellen” sein könnten, die erhöhte Arbeit von uns und den Hunden erfordern.

    Gestern dann war wieder mal Junghundetraining angesagt. Ich hatte etwas Konzentrationsprobleme und so trainierte ich Jane hauptsächlich am Netz. Gegen Ende holte ich einfach mal fünf nettere Schafe raus und sie handelte auch diese ganz gut.

    Heute konnte ich dann endlich das Klauenbad wieder abbauen und alles verstauen. Die nächsten Klauenbäder wird es wohl hoffentlich prophylaktisch erst wieder im Herbst geben.

    Die meisten Lämmer habe ich bis jetzt nicht gekennzeichnet. Für die Kühltruhe ist das auch nicht erforderlich. Nun soll das ein oder andere Böckchen doch einen neuen Wirkungskreis bekommen und ich mußte die kleinen Kerle ihren Müttern zuordnen. Das ist einfacher gesagt als getan. Letztendlich habe ich die Lämmer markiert und aus dem Pferch gelassen. Das Schaf welches am lautesten antwortete, war die Mutter. Nach solch kurzer Trennung waren die meisten der Lämmer so nett und bewiesen dies auch, indem sie prompt saugten. Das sieht durchaus lustig aus, haben doch einige der Böcke ihre Mütter bereits an Körperhöhe übertroffen!

    Erin mußte ich danach nicht mehr trainieren. Sie hat heute gute Arbeit geleistet beim weg- bzw. zuhalten einzelner Schafe bzw. hat mir sämtliche Ausbruchversuche aus dem nur provisorisch verstellten Unterstand vereidelt.
    Für Jane habe ich wieder fünf nette Schafe ausgesucht, die sie wieder hervorragend handelte.  Leider haben die aussortierten Schafe einen extremen Zug zum Rest der Herde. Jane weiß diese Zugrichtugen der Schafe sehr gut einzuschätzen und covert diese hervorragend. Der kleine Pimpf zeigte heute Verhaltensweisen, die ich mit Erin lange und intensiv trainieren mußte und immer wieder trainieren muß. Atemberaubende Querflanken durfte ich heute sehen und sie weiß irgendwie viel früher als ich wann man loslaufen muß um die Schafe in Bewegung zu halten und wann es besser ist den Druck wegzunehmen und sich hinzulegen.
    Gegen Ende des Trainings bremste sie den Trupp, der sich dann doch einmal versuchte Richtung Herde abzusetzen gekonnt aus und nahm mein “get up” ohne zu zögern. Sie drehte die Schafe und schob sie mir sanft wieder vor die Füße. Damit beendete ich die Trainingseinheit auch, hatte dieser kleine Hund mir in diesem Moment doch bewiesen, das in ihr mehr Wille steckt als ich ihr zugetraut hatte. :D

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