Schaf Blog

vom Alltag eines Moorschnucken Schafhalters

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    Regeln sollte man haben!

    Ein Sonntag, ideal um mal über meine neuen Regeln in der Hobbyschafhaltung nachzudenken:

    Regel No. 1
    Koppel niemals um, wenn der einzige Mann, den Du zum helfen zwangsrekrutieren kannst, auf Dienstreise ist.
    Regel No. 2
    Benutze nie einen Bello wenn Du nicht bereit bist, auf einen Finger zu verzichten.
    Regel No. 3
    Pachte niemals Flächen ohne wenigstens vorher mal einen Zaun “probegesteckt” zu haben.

    Aber von vorne:
    Gestern habe ich mit Erin beim Abendkontrollgang das shedden geübt, was heißt geübt. Hund gerufen und “spritz” Schafe auseinander :) Alle knapp dreißig Schafe wollte ich nicht auf einmal in den Hänger packen, mit Rücksicht auf die kleinen Lämmer.
    Eine der Gruppen haben wir noch probeweise in den Hänger getrieben. Das ganze hat keine 5 Minuten gedauert. Also ging ich davon aus, wenn ich heute um halb sechs Uhr morgens starte, lieg ich um sieben wieder im Bett :)
    Außerdem kann ich so testen, ob es wirklich so toll ist, ganz frühmorgens, wie Joe behauptet.

    Nun zur Praxis:
    Heute morgen kurz nach vier, muß Hund durch ein deutliches Wuff verkünden, das die Überreste vom gestrigen Hundeabendessen nicht automatisch den Katzen gehören, nur weil da noch was von im Garten liegt! Halb fünf dann schäle ich mich aus dem Bett, an Schlaf ist nicht mehr zu denken, kurz nach fünf mittlerweile durch Kaffee und Käsebrötchen zu den Lebenden gehörend, gehts los.
    Frühnebel, Vogelzwitschern, betrunkene Twens, die nach Hause laufen, erste Sonnenstrahlen hinter der Wolkendecke. Wie romantisch, wenn da nicht das pappnasse Gras wäre. Bereits nach wenigen Minuten bin ich bis rauf zu den Knien klitschenass!
    Na, dann: rein in die Koppel, Hänger dran, Schafe getrennt. Ich nehme mir als erstes gleich die unkooperative Gruppe vor. Ganz so schnell wie gestern ging das dann nicht, denn unkooperative Schafe und ein übermotivierter Hund (und das morgens halb sechs!) sind kein Zuckerschlecken. Nach zehn Minuten sind´se trotzdem drin. Ich wähne mich immer noch vor sieben wieder im Bett! :)
    Der Trupp wird auf der Obstwiese rausgelassen und ab gehts wieder zurück.
    Dort steht nun noch der Rest, incl. meiner gut trainierten “Saarländer”. Die wissen, das man brav in den Hänger geht. Es kommt, wie es kommen mußte. Alle Schafe, voran die braven “Saarländer” tappen in den Hänger, nur eine nicht! Ausgerechnet dieses Schaf ist in dieser Gruppe! Die Lady fällt schon seit längerem durch gesteigerte Aggression gegenüber dem Hund auf. So auch dieses mal. Alles steht im Hänger, die Lady läuft vom Hänger weg und stellt sich dem Hund! Ein packen will ich jetzt unbedingt vermeiden, solche Aktionen mischen die ganze Gruppe auf und außerdem habe ich Sonntag morgens für sowas eigentlich gar keinen Sinn! Nach fünf Minuten “wer hat die stärkeren Nerven” Spiel lässt sich “Frau Wurst” dann aber doch überzeugen in den Hänger zu steigen und wir können gehn Streuobstwiese fahren.

    Die Schafe freuen sich über das neue Grün und machen sich umgehend an die Arbeit. Bleibt ja eigentlich nur noch den Zaun vernünftig zu fixieren und dann ab wieder ins Bett! :D

    Ja, denkste. Damit nimmt das Grauen seinen Lauf! Bereits gestern beim Stecken der ersten Netze stelle ich mit Entsetzen fest, das die Doppelspitzen meiner Netze oft nur mit roher Gewalt bzw. dem Bello (!) in den steinharten Boden gehen! Das hat u.a. zur Folge das sich die Spitzen meiner neuen Netze teilweise extrem verbiegen. Da ist nach dem nächsten Umkoppeln erstmal eine Generalsanierung angesagt. Ein Teil meiner “Netzstrecke” muß ich heute morgen kurzfristig verlegen, der Boden ist so hart, das ich die Spitzen nur für 2cm reinbekomme. Vorsichtshalber hatte ich gestern noch die Sense auf die Ladefläche gepackt und das feuchte Gras lässt sich heute morgen gut schneiden.

    Die Eckstangen zur Stabilisierung des Netzes müssen ebenfalls mit dem Bello eingeschlagen werden. Prompt passiert es beim letzten (!) Eckstab. Der Finger gerät zwischen Bello und Stange, so schlagartig wie der Schmerz bis in meine Schulter rast, spritzt das Blut und der Finger schwillt augenblicklich aufs dreifache an! Ich muß mich erstmal für ein paar Minuten setzen. Danach schlage ich mit letzter Kraft die Stange in die Erde und befestige die Ecke.

    Für den zweiten Erdungsstab fehlt mir die Kraft. Ich mache mich mit meinen mittlerweile blutverschmierten Klamotten auf den Heimweg.
    Punkt acht Uhr stelle ich den Hänger wieder vor der Firma ab. Bei der Zeitplanung habe ich noch Defizite stelle ich fest :D

    viva la Sixpack

    Am Sonntag sollen die Ladys umziehen auf eine Streuobstwiese. Wie zu erwarten, stehe ich knietief im Aufwuchs. Die Netze würde mir das gnadenlos leerziehen, wenn ich sie hier ohne Vorabeit reinstellen würde.
    Also pack ich den “gemeingefährlichen Chinesen” (meinen günstig bei ebay erworbenen Freischneider) aus, ziehe die Mickimaus (ja, ich hab diesmal tatsächlich dran gedacht!) auf und los gehts…
    Nach der Hälfte der Strecke verweigert der “Chinese” wegen Benzingemisch-Mangel seinen Dienst. Zum Glück habe ich die gute, alte Sense eingepackt und schneide nun den Rest. Mit der Sense bin ich irgendwie schneller und das beständige “Sensentraining” des letzten Jahres macht sich bemerkbar. Ruck zuck ist der Rest auch noch geschnitten.

    Allerdings rinnt mir jetzt der Schweiß in Strömen. Klassisches Sensen trainiert angeblich das Sixpack. Auf jeden Fall tuts weh, in Form von Muskelermüdung! Nun, wir werden morgen sehen, ob daraus ein saftiger Muskelkater wird.

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